Timocom 22.11.2017

Situation bleibt auch bis Ende 2017 angespannt

Der Nachrichtenlage der letzten Tage und Wochen war deutlich zu entnehmen, mit welchen Herausforderungen die Logistikbranche konfrontiert ist. Gerade im 4. Quartal 2017 hat sich diese Situation weiter zugespitzt. Die extreme Knappheit der verfügbaren Laderaumkapazitäten betrifft dabei in erster Linie den nationalen Frachtmarkt, allerdings sind auch verschiedene europäische Relationen von dieser Entwicklung betroffen.

Sie können sich tagesaktuell einen Eindruck z.B. mit dem Transportmarktbarometer auf www.dvz.de / Abschnitt Zahlen und Fakten verschaffen. Dieser Index zeigt das Verhältnis zwischen vorhandenem Transportbedarf (Fracht) und dem Transportangebot (Laderaum). Die Werte weisen in den letzten Wochen beinah konstant ein Verhältnis von 80% zu 20% aus, d.h. für 80 Ihrer Aufträge stehen nur 20 entsprechende Kapazitätsangebote (= LKW) zur Verfügung. Auch wenn sich in den letzten Tagen eine leichte Entspannung zeigt, sind wir noch weit von ausgeglichenen Verhältnissen entfernt.

Als Logistikdienstleister mit eigenem Fuhrpark versuchen wir selbstverständlich, Ihre Aufträge mit eigenen Kapazitäten abzuwickeln und damit ein hohes Qualitätsniveau zu halten. Allerdings sind wir bei einzelnen Relationen oder Ländern auf externe Dienstleister / Frachtführer angewiesen, die leider in den letzten Wochen gar nicht oder nur sehr eingeschränkt zur Verfügung standen.

Folgende Faktoren begleiten bzw. verschärfen diese Problematik weiter:

  • Die deutsche Wirtschaft wächst auch im dritten Quartal 2017 stabil weiter. Parallel zu dem Wirtschaftswachstum zeigt die Erfahrung der letzten Jahre, dass die Transportbedarfe überproportional mitwachsen (national und international).
  • Seit den letzten Jahren ist ein deutlicher Rückgang der Fahrleistungsanteile deutscher LKW im nationalen und internationalen Verkehr zu verzeichnen. Wesentlicher Grund ist der Fahrermangel (allgemeiner Fachkräftemangel verbunden mit hohem Reiseanteil des Berufs, Entwicklung der Bezahlung und eingeschränkten Entwicklungsmöglichkeiten). Durch die Altersstruktur im Fahrerbereich werden in den nächsten Jahren – trotz Ausbildung – jedes Jahr zwischen 35.000 – 40.000 Fahrer dem Markt entzogen (Deutschland).
  • Geschlossen wird die Lücke teilweise durch Mitarbeiter aus anderen europäischen Ländern. Allerdings steht diese Arbeitskraft gerade in den besonders arbeitsintensiven Feiertagswochen nicht zur Verfügung, da die Fahrer diese Wochen vielfach in Ihrer Heimat verbringen.
  • Die Vergabe von Transportaufträgen an europäische Transportunternehmer wird seit Mai 2017 zusätzlich eingeschränkt durch die Änderung des Fahrpersonalgesetzes (EG-Verordnung 561/2006), welche das Verbringen der wöchentlichen Ruhezeit (45 Stunden) im LKW oder Orten ohne geeignete Schlafmöglichkeit als Ordnungswidrigkeit einordnet. Die europäischen Transportunternehmer ziehen daraufhin ihre Fahrzeuge an den jeweiligen Heimatstandort oder lassen Ihre Fahrer zu dem jeweiligen LKW-Standort an- oder abreisen. Damit fehlen diese An- und Abreisezeiten besonders am Wochenbeginn oder zum Wochenende als Transportleistung.
  • Systeme zur Buchung von Zeitfenstern werden vermehrt nicht nur bei Zentrallagern des Handels sondern auch in der Industrie eingesetzt. Der positive Effekt der besseren Ablaufsteuerung an der Rampe führt zu „toten Zeiten“ auf der Transportstrecke (die buchbaren (!) Lade- und Entladezeitfenster passen nicht zu der Fahrstrecke).
  • Der Zustand der Straßeninfrastruktur führt vermehrt zu Stau bzw. Umwegkilometern auf deutschen Straßen. Was Sie jeden Tag mit Ihrem eigenen Auto erleben können, resultiert in der Logistik-Branche in einer Senkung der Produktivität des LKW, die auch nicht durch andere Maßnahmen zu kompensieren ist.

In der Folge wandern viele „kleinere“ Teilpartien (6 Paletten oder mehr) in die Stückgut-Netzwerke ab. Diese sind mit dem Mehr an Sendungen und den bereits vorhandenen Mengen in einzelnen Wochen oder Regionen überlastet. Fazit: Die genannten Entwicklungen „strahlen“ auch auf andere Segmente des Transportmarktes ab.

Viele der genannten Punkte werden sich nicht kurzfristig ändern oder anderweitig lösen lassen. So ist auch im November 2017 bzw.  Ende des Jahres 2017 nicht mit einer Entspannung auf dem Frachtmarkt zu rechnen.

Selbstverständlich treffen wir auch Maßnahmen, um die Auswirkungen der oben genannten Punkte einzudämmen. Neben der Kapazitätsanpassung konzentrieren wir uns aktuell auf unsere Bestandskunden und vermeiden zusätzliche Spot- / Rückladungsgeschäfte. Diese Maßnahmen führen dazu, dass wir die Auswirkungen der oben beschriebenen Laderaumverknappung teilweise kompensieren können.

Wir werden Sie über die weitere Entwicklung und Maßnahmen auf dem Laufenden halten. Für Fragen stehen Ihnen gerne die bekannten Ansprechpartner aus unserem Verkauf oder der Geschäftsführung zur Verfügung.